Wenn Geopolitik den Lichtschalter erreicht
Stadtwerk Tauberfranken bringt kommunale Vertreter, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und setzt einen Fokus auf Geopolitik, Versorgungssicherheit und regionale Wirtschaft
Wie wirken sich geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten und Veränderungen auf den Energiemärkten auf Kommunen und Unternehmen in der Region aus? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Informationsveranstaltung des Stadtwerks Tauberfranken am 26. Oktober 2026 im Reinhold-Würth-Haus in Bad Mergentheim. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der Konzessions- und Partnerkommunen, kommunaler Gremien sowie Sonder- und Geschäftskunden.
Unter dem Titel „Wenn Geopolitik den Lichtschalter erreicht“ beleuchteten renommierte Fachleute aus Wissenschaft, regionalem Mittelstand und kommunaler Energiewirtschaft die aktuellen Entwicklungen aus volkswirtschaftlicher, unternehmerischer und kommunalwirtschaftlicher Perspektive. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen geopolitischer Veränderungen und Handelskonflikte auf Energiepreise, Inflation und Versorgungssicherheit sowie die Frage, welche Chancen Kommunen und Unternehmen in einem zunehmend unsicheren Umfeld haben.
„Geopolitik erscheint uns oft weit entfernt. Bis sie bei uns ankommt. Beim Gaspreis, beim Strompreis, oder an der Zapfsäule, Sie beeinflussen die Energieversorgung, kommunale Entscheidungen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unserer Kunden unmittelbar“, erklärte Paul Gehrig, Geschäftsführer des Stadtwerks Tauberfranken. „Mit unserer Veranstaltung wollten wir Orientierung geben, unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und den Austausch darüber fördern, wie wir unsere Region auch unter veränderten Bedingungen verlässlich und zukunftsfähig aufstellen können.“
Volkswirtschaftliche Einordnung durch Prof. Peter Bofinger
Den fachlichen Auftakt bildete die Keynote von Prof. Peter Bofinger. Der renommierte Volkswirt und langjährige „Wirtschaftsweise“ ordnete ein, wie geopolitische Entwicklungen, Handelskonflikte und politische Entscheidungen Energiepreise, Inflation, Versorgungssicherheit und den Wirtschaftsstandort Deutschland beeinflussen.
„Man sieht, wie stark die Energiepreise die Verbraucherpreise treiben“, erklärt Prof. Peter Bofinger. „Das zeigt, dass es sich lohnt in erneuerbare Energien zu investieren, um die Abhängigkeiten abzuschaffen. Wenn man die Energieentstehungskosten ansieht, sind diese bei Erneuerbaren deutlich geringer als bspw. bei Kohle.“
Der Ausbau erneuerbarer Energien trägt maßgeblich dazu bei, die Abhängigkeit von Energieimporten und internationalen Energiemärkten zu verringern. Dadurch werden sich auch die Auswirkungen geopolitischer Krisen und möglicher Störungen wichtiger Handels- und Transportwege weniger stark auf die Preisentwicklungen auswirken. Die Energieversorgung wird insgesamt resilienter und bringt Unternehmen mehr Planungssicherheit.
Podiumsdiskussion: Was bedeuten geopolitische Veränderungen konkret für die Region?
In der anschließenden Podiumsdiskussion übertrugen Prof. Peter Bofinger, Ulrike Unterwandling, Vorsitzende des Aufsichtsrats der ANSMANN AG, Carsten Liedtke, VKU-Vizepräsident und Vorstandssprecher der Stadtwerke Krefeld, sowie Paul Gehrig, Geschäftsführer des Stadtwerks Tauberfranken, die volkswirtschaftliche Einordnung auf die Situation von Unternehmen, Kommunen und Energieversorgern. Moderiert wurde die Runde von Ann-Kathrin Murphy, Leiterin Unternehmensentwicklung und Kommunikation beim Stadtwerk Tauberfranken.
Im Mittelpunkt standen die Ursachen der wirtschaftlichen Schwäche Deutschlands, die Folgen geopolitischer Unsicherheiten für Investitionen und Energieversorgung sowie das Verhältnis von staatlicher Steuerung und Markt. Diskutiert wurde zudem der Zielkonflikt zwischen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz und die Frage, welche Rahmenbedingungen Investitionen in Netze, Speicher, erneuerbare Energien und weitere Infrastruktur ermöglichen.
Ulrike Unterwandling brachte dabei insbesondere die Perspektive eines international tätigen Familienunternehmens aus der Region ein. Energiepreise, sichere Lieferketten und verlässliche politische Rahmenbedingungen wurden als Faktoren für unternehmerische Investitions- und Standortentscheidungen diskutiert.
„Wenn Parameter wie Energiepreise nicht planbar sind, ist es schwer sich für Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland zu entscheiden“, betonte Ulrike Unterwandling.
Carsten Liedtke übertrug die Debatte auf die kommunale Energiewirtschaft. Im Fokus standen die Frage nach der langfristigen Absicherung der Energieversorgung, der notwendige Ausbau der Infrastruktur und die Rolle eigener regionaler Energieerzeugung.
„Wir können eine ganze Menge machen, um uns aus der Abhängigkeit zu begeben. Daher glaube ich, dass wir sehr viel tun, wenn wir erneuerbare Energien bauen und Energiespeicherlösungen umsetzen“, ergänzt Carsten Liedtke. „Dekarbonisierung bietet die Möglichkeit für kommunale Versorger in ganz neue Geschäftsmodelle einzusteigen.“
Paul Gehrig schlug schließlich die Brücke in die Region Tauberfranken. Er übertrug die zuvor diskutierten geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen auf die konkrete Situation der Kommunen, Unternehmen und der Energieversorgung vor Ort. Dabei machte er deutlich, dass die Veränderungen für kleinere regionale Stadtwerke nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen eröffnen. Ihre Nähe zu Kommunen und Kunden, die Kenntnis der regionalen Strukturen und kurze Entscheidungswege bieten die Möglichkeit, passgenaue Lösungen vor Ort zu entwickeln und die regionale Energiewende aktiv mitzugestalten. Gerade bei erneuerbarer Erzeugung, Kooperationen mit Kommunen und Unternehmen sowie neuen dezentralen Energielösungen können sich neue Geschäftsfelder und Gestaltungsspielräume ergeben. Gleichzeitig bleibt die Aufgabe, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zu gewährleisten und die notwendigen Investitionen wirtschaftlich tragfähig umzusetzen.
„Versorgungssicherheit und eine starke regionale Wirtschaft sind Gemeinschaftsaufgaben“, fasste Paul Gehrig zusammen. „Der offene Austausch mit unseren Konzessionsgemeinden sowie Kundinnen und Kunden ist für uns deshalb besonders wertvoll. Nur gemeinsam können wir Lösungen entwickeln, die zu den konkreten Anforderungen unserer Region passen.“
Die Gesprächsrunde machte deutlich, dass dafür volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen, unternehmerische Realität, kommunale Gestaltungsmöglichkeiten und Investitionen in die Energieinfrastruktur gemeinsam betrachtet werden müssen.
Mit der Informationsveranstaltung unterstrich das Stadtwerk Tauberfranken seine Rolle als verlässlicher, regionaler Partner. Ziel war es, aktuelle Entwicklungen verständlich einzuordnen, unterschiedliche Erfahrungen zusammenzubringen und Impulse für zukünftige Entscheidungen zu geben.
