Warum unsere Netze an Grenzen stoßen
Hohe Sonneneinstrahlung, hohe Auslastung
Durchschnittlich hat ein Haushalt einen mittleren Bezug von ungefähr 400 Watt. Zunehmend haben immer mehr Haushalte mit stetig leistungsfähigeren PV-Anlagen gleichzeitig viel Strom übrig, die in der Regel gleich einige tausend Watt zeitgleich ins Netz zurück speisen. Andere Haushalte brauchen zur selben Zeit dank kleiner Balkon PV ebenfalls keinen oder kaum noch Strom aus dem Netz. Physikalisch muss nun also kurzzeitig eine viel größere Energiemenge das Netz Rückwärts passieren, als dies im Bezugsfall der Fall wäre. (Die Sonne scheint nun mal aufs Wohngebiet zeitgleich)
An sonnigen Tagen erreichen die Verteilnetze vieler Regionen dadurch aber zunehmend ihre technischen Kapazitätsgrenzen – und auch unser Netzgebiet ist davon betroffen. Der starke und seit 2022 besonders dynamische Ausbau von Photovoltaikanlagen hat Leitungen und Ortsnetzstationen in einigen Bereichen trotz laufendem Netzausbau zeitweise nahezu vollständig ausgelastet.
Um die Stabilität des Stromsystems weiterhin zu gewährleisten, müssen wir die Einspeisung neuer PV‑Anlagen in bestimmten Gebieten inzwischen teilweise oder vollständig begrenzen. Diese Maßnahmen wirken für einzelne Anlagenbetreiber möglicherweise einschränkend, dienen jedoch der Versorgungssicherheit aller Kundinnen und Kunden.
Jedes Netzanschlussgesuch wird separat geprüft und berechnet. Falls für den entsprechenden Anlagenstandort eine Einspeisebegrenzung (Pav,e Regelung) erforderlich sein sollte, darf die Anlage zum Eigenverbrauch errichtet werden. Die Rückspeisung ins Netz muss aber nach den Vorgaben erfolgen.
PV‑Planung neu denken: Eigenverbrauch statt maximale Einspeisung
Wer eine neue PV‑Anlage plant, sollte sich davon nicht entmutigen lassen – aber die Prioritäten verschieben sich. Der erzeugte Strom kann direkt genutzt oder in einer Batterie z.B. für den Abend zwischengespeichert werden – nur die Rückspeisung ins Netz ist eingeschränkt.
Damit rückt die Eigenverbrauchsquote stärker in den Mittelpunkt der Wirtschaftlichkeit. Eine moderne PV‑Anlage muss nicht mehr „so groß wie möglich“ sein, sondern optimal zum eigenen Haushalt passen. Ziel ist es, den Eigenverbrauch zu erhöhen und den Netzbezug zu minimieren.
Ein intelligentes Energiemanagementsystem, das Verbraucher wie Wärmepumpe oder Wallbox automatisch steuert, erhöht den Eigenverbrauch zusätzlich und macht jede erzeugte Kilowattstunde wertvoller – für die eigene Wirtschaftlichkeit und für die Entlastung des Netzes.
Vor der Anschaffung einer Photovoltaikanlage sollte geklärt sein, ob eine Rückspeisung von überschüssigem, nicht selbst benötigtem Strom, ins öffentliche Netz möglich ist. Daher muss in jedem Falle eine Netzanfrage beim Netzbetreiber erfolgen. Das Stadtwerk Tauberfranken bietet hierfür ein Onlineportal an. Ist keine Einspeisung in das Stromnetz möglich, kann dies die Finanzierung bzw. Wirtschaftlichkeit der Anlage beeinflussen, da dann keine Einspeisevergütung anfällt. Mehr dazu unter stadtwerk-tauberfranken.de/netz/einspeiserwerden/
